Das Dorf Crange

 Der Name Crange

 

Crange stammt aus den mundartlichen Krang (= Windung,Kringel) ab. In alten Dokumenten wurde Crange fast immer mit "K" geschrieben. In kleinen Schleifen und einem grossen Kringel floss die Emscher um ein paar Bauernhäuser herum.Crange lag also in einem Krang des Flusses. Mittendrin befand sich eine Burg, Dem Kringel zufolge hieß die Burg "Crange", was seit 1286 amtlich ist.

Als 1441 Derick von Eickel mit Haus Crange belehnt wurde, hier das neue Schloß baute und nach Crange zog, nannte er sich : von Eickel "tom Krange". Hier hat also der Platz dem Besitzer den Namen gegeben und nicht, wie an vielen anderen Orten , ein Adelsgeschlecht dem Platz

 

Die Geschichte Cranges

 

 

 

Ausgrabungen haben ergeben, daß das Cranger Gebiet bereits vor 4000 Jahren besiedelt war. Vermutlich sogar schon 2000 Jahre vorher. Um die Zeitenwende herum trafen die Römer auf ihren Eroberungszügen hier den germanischen Volksstamm der Brukterer an, der 695 von den Sachsen unterworfen wurde . Nach der Eroberung des Landes durch Karl den Großen vollzog dieser die Angliederung Sachsens an das fränkische Reich über die karolingischen Grafschaft. Wie in anderen Hellwegorte, legte Karl der Große auch in Bochum einen Königshof an. Bochum war bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts die einzige größere Ansiedlung in der Nähe, deswegen kann man annehmen, daß Crange damals Reichsgut in der Grafschaft Bochum war. Ende des 13. Jahrhunderts gelangten die Grafen von der Mark in den Besitz von Hof und Gericht Bochum und somit wohl auch in den Besitz von Crange.
 
 

 

 

urkunde

1441 belehnte Herzog Adolf von Cleve, Graf von der Mark, Derick von Eickel, der von 1437 bis 1444 Droste des Amtes Bochum in der Grafschaft Mark war, mit Haus Crange. Dieses geht aus der nebenstehend aufgeführten Text der Urkunde hervor.

 
 

 

 Crange war die Eingangspforte des Emscherbruches. Die von Derick von Eickel auf der von der Emscher gebildeten Insel erbaute neue Burg diente offentsichlich 2 wichtigen Zwecken; Das Haus Crange lag an der Grenze des kurkölnischen Vestes Recklinghausen, deswegen sollte die Burg einmal die Grafschaft Mark gegen Übergriffe aus den nördlichen Grenzgebieten sichern und zum anderen Schirm und Stütze der Wildpferdezucht sein, dessen Gebiet zwar überwiegend kurkölnisch war, dessen Mittelpunkt, eben Crange , aber zur Grafschaft Mark gehörte. Das Haus Crange war eine strategisch bedeutende Wasserburg. Deswegen wird angenommen, daß es aus diedem Grunde "Freiheit" wurde. Zu den Freiheitsrechten gehörte z.B. freies Fischerei- und Marktrecht. Dieses wird in dem seit Jahrhunderten bestehenden Pferde- und Jahrmarkt dokumentiert.

 

Die von Eickel blieben auch weiterhin Besitzer der Burg. 1605 belehnte Herzog Johan Wilhelm zu Cleve , Gert von Eickel mit Crange. Dieser hinterließ nach seinem Tode, seinem Bruder Ernst von Eickel das Gut. Später wurde seine Tochter Petronella, die mit Christoph von Rump zu Velbert vermählt war, Erbin von Crange. Am 26.06.1637 wurde Christoph von Rump von Georg Wilhelm zu Brandenburg mit Crange belehnt. Die von Rump blieben im Besitz des Gutes, bis es nach 1884 an den Graf von Galen und später an den Graf von Landsberg-Velen überging. Nachdem die Burg einem Brand zum Opfer fiel,wurde 1761 das Cranger Schloß gebaut  schlosscrange 
   Schloß Crange 1896

 

kapelle   Mit kirchlicher Genehmigung ließ Derick von Eickel eine Kapelle errichten, die er dem heiligen Laurentius weihte, dessen Namenstag der 10. August ist. Die Einweihung vollzog sich wahrscheinlich 1444 oder 1451, da in diesen Jahren der 10. August auf einem Sonntag fiel. Die Kapelle wurde bis 1854 benutzt und schließlich 1873 abgebrochen.
 Laurentius-Kapelle, Foto nach Holzschnitt  

 

Die Geschichte des Dorfes Crange ist eng mit der des Schlosses verbunden. Die meisten Bewohner waren Bedienstete und Tagelöhner des Schloßherrn. Crange bildete eine eigene Kirchengemeinde, die gleichzeitig mit der Herrschaft um die Mitte 70er Jahre des 16. Jahrhunderts das evangelische Bekenntnis annahm. Erst im Zuge der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts, entwickelte das Dorf Crange ein Eigenleben. Die Gutsherrschaft hatte ihren Wohnsitz von Crange verlegt und damit an Einfluß verloren .  dorfstrasse 
   Dorfstrasse um 1907

 

Das Emscherbruch

 

Bereits vor Christi Geburt war die Gegend durch ihren Reichtum an wilden Pferden berühmt.Schon die Römer trafen hier einen Volksstamm an, der sich durch seine Reitkunst und Pferdezucht auszeichnete. Das Weidegebiet der Wildpferde befand sich im Flußtal der Emscher, im sogenannten Emscherbruch. Nach diesem Gebiet werden die damals hier beheimatet gewesenen Wildpferde noch heute Emscherbrücher genannt.

 

 emscherbruch

Das Emscherland im Brüsseler Atlas 1573

 

Das Emscherbruch lag südlich der Stadt Recklinghausen, teils im Veste Recklinghausen, teils im Stifte Essen, und erstreckte sich etwa über die Gegend Bottrop-Buer-Recklinghausen-Waltrop-Crange-Gelsenkirchen-Borbeck. die Wildbahn war etwa 25 km lang und 6 km breit und umfasste eine Fläche von etwa 10000 ha. Im allgemeinen wird unter "Bruch" ein mit Erlen, Birken, Eschen und verkrüppelten Nadelhölzern bestandenes Weichland bezeichnet. Diese wäre als Lebensraum für Wildpferde wenig geeignet gewesen. Im Gegensatz dazu bestand das Emscherbruch größtenteils aus Eichen und ein wenig Buchenhochwald. Dazwischen lagen Erlenbrüche, Dornendickungen und Wasserlachen, die nie ganz austrockneten.Die Heideblößen waren mit Ginster, Stechpalmen und Wacholdersträuchern bewachsen. 

 

Ausser von der Emscher, die aus 3 kleinen Wasserläufen in der Gemeinde Holzwickede, östlich von Dortmund Hörde, entsteht und bei Ruhrort in den Rhein mündet, war das Bruchgebiet von Osten nach Westen von der kleinen Emscher, der Boy , der Fleute und dem Welheimer Mühlenbach durchflossen. Die Flußläufe wurden zu beiden Seiten von saftigen Wiesen begleitet. Das Emscherbruch war also ein ideales Gebiet für die Wildpferde.

 

Lage und Größe  

 

Crange liegt im Südwesten der Westfälischen Bucht, und zwar im Flußtal der Emscher. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts befanden sich das Dorf und das Schloß auf einer etwa 15 Morgen großen Insel, die von der damals noch südlich um Crange fließenden Emscher und einer Umflut- östlich wurde ein Flußarm abgeleitet, nördlich an Crange vorbeigeführt und westlich wieder mit dem Hauptfluß vereinigt - gebildet wurde. Aufgrund der Flußregulierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschwand die Insel. Im ehemaligen Bett der Emscher wurde der Rhein-Herne-Kanal angelegt.

 

karte

Aus der Copie der Gemeindekarte von Crange aus dem Jahre 1824 sind die Grenzen des Ortes ersichtlich, die im wesentlichen noch mit den heutigen Grenzen des Ortes übereinstimmen. Damals gehörte Crange zur Bürgermeisterey Herne im Landkreis Bochum. Im Norden bildet Crange heute die Stadtgrenze gegen Recklinghausen und Herten. Im Süden schließen an Crange die Wanne-Eickeler Stadtteile Holsterhausen und Wanne (früher Bickern) an. "Wanne-Eickeler Stadtteile" stimmt natürlich heute nicht mehr ganz, da Wanne-Eickel und Herne aufgrund der Städtereform 1975 zur neuen Stadt Herne zusamengeschlossen wurden.

   
 Der Stadtteil Wanne (früher Bickern) bildet gleichzeitig die Westgrenze von Crange . Am 1. April 1926 wurde die Stadt Wanne-Eickel durch Zusammenlegung der Ämter Wanne und Eickel gegründet. Da Crange schon vorher dem Amt Wanne zugehörig war, wurde somit Crange ein Stadtteil Wanne-Eickels. Crange ist mit 153 ha einer der kleinsten Stadtteile von Wanne-Eickel bzw. Herne.

 

Bilder - Archiv der Stadt Herne  

 

< die Geschichte der Cranger Kirmes - Seite 1

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